Die RMS Super Kombi immer noch super?

„Those were the Days my Friend“ das war ein Super Hit von Mary Hopkin im Jahr 1968. Höchstwahrscheinlich wird der Hit auch im Hamburger Moorfuhrtweg, dem Sitz von Radio Marketing Service (RMS), gesummt. Allerdings mit einem sarkastischen Unterton, denn nach vergangenen Zeiten ist es dem marktführenden Privat Radio Vermarkter sicherlich zumute, wenn er auf die Reichweiten-Entwicklung seines Paradeproduktes schaut. Die einst so stolze RMS Super Kombi, das Flaggschiff des Privatfunks, wird scheinbar langsam aber sicher ein Trampdampfer der unter Billigflagge die Radiowellen kreuzt wenn der Trend anhält. Innerhalb eines Jahres verlor die RMS Super Kombi 590.000 Hörer, das entspricht in etwas der kumulierten Reichweiten aller Privatsender in Hamburg und Schleswig-Holstein!

Hörer pro Ø-Stunde: Mo-Fr Gesamt
in Tsd. ma 2015 Radio I ma 2014 Radio II Update ma 2014 Radio I Veränderung
Werbefunk 22.512 23.043 23.535 -1.023
RMS SUPER KOMBI 10.354 10.542 10.944 590
AS&S Radio Deutschland-Kombi 11.174 11.435 11.588 -414
Quelle: ma 2015 I - 2014 I, Mo-Fr, 06-18.00 Uhr, Gesamt 10plus
 RMS Super Kombi: Mehr Sender und Reichweitenverluste

Im Jahr 2012 übernahm die RMS zehn weitere Sender, die zuvor vor der ARD Sales&Service vermarktet worden sind: RTL Radio, JAM FM, 104.6 RTL, 105’5 Spreeradio, JAM FM Berlin, 89.0 RTL, Radio Brocken, Hitradio RTL, Sachsen-Funkpaket, Ostseewelle. Erstmalig wurden sie in der MA 2012 II in der Super Kombi ausgewiesen. Doch der kräftige Schluck aus der Reichweitenpulle wurde schnell schal. Einige Sender im Vermarktungportfolio der RMS begannen zu schwächeln und die RMS Super Kombi verlor in der verkaufsrelevanten Zielgruppe 14-49 Jahre beständig an Reichweite. In nicht einmal drei Jahren ging jeder siebte Hörer (-14%) in der Zielgruppe verloren.

Fatal für die RMS, in der TKP-orientierten Kombivermarktung bedeuten Reichweitenrückgänge auch Einnahmerückgänge, die Vermarktungs-Provisionen sinken und der finanzielle Spielraum der Hamburger wird geringer. Preiserhöhungen sind am Markt nur sehr schwer durchsetzbar, dafür sorgt schon die Nachfragemacht der großen Mediaagenturen.

Reichweitenentwicklung RMS Super Kombi 2015 I

Noch immer ist die RMS ein sehr gut aufgestellter Vermarkter, der vorbildliche Gattungsarbeit geleistet hat und jahrelang durch engagierte Verkaufsbüros glänzte. Aber mit sinkenden Einnahmen wird gespart werden müssen. Gerade in Vermarktung kann das schnell zur Lasten der Qualität oder der für die Radiovermarktung so unerlässlichen Forschung gehen.

Dem RMS Management sind die Hände gebunden

Die RMS kann nur die Reichweite vermarkten, die die von ihr betreuten Sender generieren. Es liegt an den Sendern wieder die Reichweite zu steigern. In den Zeiten von Spotify, Deezer & Co. ist es für die Sender gar nicht so einfach wieder Hörer zu gewinnen. Auch der öffentlich/rechtliche Rundfunk ist schon lange kein Reichweiten-Steinbruch für die Privaten. Gerade das Zusammenspiel und die Crosspromotion der Dritten TV-Programmen mit dem Radio beherrschen die ARD Anstalten gut, stellen zähneknirschend viele Geschäftsführer privater Sender fest.

Die Sender sind gefordert, es muss ins Programm investiert werden

Etliche Radio-Gesellschafter, überwiegend Verlage, sehen ihre Beteilungen an Radiostationen als reine Cash Cows um die bröckelnde Printerlöse auszugleichen. Branchenkenner sagen es nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand: Viele Sender, die von Reichweitenverlusten geplagt sind, leiden seit Jahren unter fehlenden Programm-Investitionen. Bei ihnen stand Gewinnabführung an erster Stelle. Vom Controlling kostenoptimierte Stationen haben selten die redaktionellen Ressourcen um einen negativen Reichweitentrend zu drehen.

Wenn der negative Reichweitentrend der RMS Super Kombi anhält, wird über kurz oder lang die RMS ihre Kombi-Politik verändern  und neue marktgängigere Kombis anbieten müssen. Ein Personalabbau oder andere Sparmaßnahmen sind nicht auszuschließen.

One Response so far.

  1. Anonymous sagt:

    Kein Like-Button, aber das ist sicher eine treffende Analyse: Radio muss langsam seine Leitlinien infrage stellen und über den Tellerrand schauen.

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